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Defibrillator (ICD)

Ein ICD ist ein kleines Implantat, das einem Herzschrittmacher ähnelt. Die meisten ICDs sind nicht größer als Ihr Handteller. Herzschrittmacher können den Herzschlag beschleunigen, wenn die Herzfrequenz zu niedrig ist. ICDs hingegen sind dazu gedacht, den Herzschlag zu verlangsamen, wenn er zu schnell ist. Bei einem lebensbedrohlich schnellen Herzrhythmus kann ein ICD lebensrettend wirken. ICDs haben Hunderttausende Leben gerettet und bieten Patienten mit PHS-Risiko zusätzlichen Schutz.

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Warum brauche ich einen ICD?

Das Herz ist ein komplexes elektrisches System und erzeugt elektrische Impulse. Dadurch kann es sich in der richtigen Zeitabfolge zusammenziehen (kontrahieren) und entspannen (erschlaffen). Durch den Wechsel aus Kontraktionen und Erschlaffungen wird Blut in den Körper gepumpt. Elektrische Signale können blockiert oder unregelmäßig werden. Das Herz schlägt dann zu schnell (Tachykardie) oder zu langsam (Bradykardie). Damit Ihr Herz richtig arbeiten kann, müssen die Herzkammern koordiniert und mit einer Herzfrequenz von 60 bis 100 Schlägen (in Ruhe) pro Minute schlagen. ICDs dienen der Behandlung lebensbedrohlich schneller Herzrhythmusstörungen (als ventrikuläre Tachykardie bzw. als Kammerflimmern bezeichnet) in den unteren Herzkammern (den Ventrikeln).

 

Wenn die Ventrikel flimmern, ziehen sie sich nicht normal zusammen und können daher nicht wirksam Blut pumpen. Es kommt zu einem sofortigen Kammerflimmern, und es wird kein Blut mehr gepumpt. Die meisten Ärzte definieren Kammerflimmern als einen Zustand, bei dem Ihr Herz versucht, mindestens 300 Mal pro Minute zu schlagen. Der flatternde Herzmuskel kann kein Blut mehr pumpen. Dies kann tödlich enden, wenn der Zustand nicht sofort ärztlich behandelt wird. In den meisten Fällen führt Kammerflimmern zum plötzlichen Herzstillstand (PHS).

 

Aber das Wort „Herzstillstand“ täuscht: Manche Patienten überleben den plötzlichen Herzstillstand durchaus, wenn sie sofort behandelt werden. Zu der sofortigen Behandlung gehört die kardiopulmonale Reanimation (CPR). Sie sorgt dafür, dass weiter Blut in den Kreislauf gepumpt wird. Zusätzlich muss innerhalb von vier bis sechs Minuten ein Schock von einem externen Defibrillator oder von einem implantierbaren Kardioverter-Defibrillator (ICD) verabreicht werden, um die ungeordnete elektrische Aktivität zu beenden, den normalen Herzrhythmus wiederherzustellen und um das Auftreten schwerer Komplikationen durch den vorübergehend stark verringerten Blutfluss zu verhindern.

 

Wie arbeitet ein implantierbarer Kardioverter-Defibrillator (ICD)?

Der ICD ist ein medizinisches Gerät, das in den Körper implantiert wird. Es überwacht Ihren Herzrhythmus auf bestimmte Arten sehr schneller und möglicherweise lebensbedrohlicher Herzrhythmusstörungen. Der ICD wird unter der Haut implantiert und an eine oder zwei Elektroden (dünne, beschichtete Drähte) angeschlossen. Die Elektroden werden im oder am Herzmuskel angelegt. Sobald der ICD Anzeichen von Kammerflimmern erkennt, sendet er einen Elektroschock an den Herzmuskel, um ihn zu defibrillieren (entflimmern) oder um den schnellen Zuckungszyklus zu beenden.

 

Wie stellt ein Schock meine Herzfrequenz wieder her?

Das Muster, nach dem die elektrischen Schläge in Ihrem Herzen ablaufen, wird als Herzrhythmus bezeichnet. Ihr ICD überwacht jeden Herzschlag. Wenn der ICD einen lebensbedrohlich beschleunigten Herzrhythmus erkennt, kann er einen Elektroschock verabreichen. Dadurch wird das gestörte Herzrhythmusmuster unterbrochen und das Herz kann wieder im normalen Rhythmus schlagen.

 

Welche andere Behandlung leistet mein ICD?

Die Defibrillation ist die wichtigste Aufgabe des ICD. Einige ICDs bieten zusätzlich eine Behandlung mit sehr geringer Energie für bestimmte leichteren Formen von Herzrhythmusstörungen. Diese Art der Therapie wird als antitachykarde Stimulation (ATP) bezeichnet. Darüber hinaus kann der ICD Ihr Herz in derselben Weise stimulieren wie ein Herzschrittmacher. Das System hilft Ihrem Herz dadurch, im Rhythmus zu bleiben. Es speichert jedoch auch eine Reihe von Informationen über Ihr Herz. Ihr Arzt kann diese Informationen abrufen. Sie helfen ihm dabei, Ihr System so zu programmieren, dass Ihre Krankheit damit optimal behandelt wird.

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Schematische Darstellung der Platzierung des ICDs im Herzen


Wie wird ein ICD implantiert?

Normalerweise wird die Operation zum Implantieren eines Herzunterstützungssystems ohne Vollnarkose durchgeführt. Stattdessen wird der Patient für die Operation nur „sediert“, wie die Ärzte sagen. Das bedeutet, dass Sie ein Medikament bekommen, von dem Sie sich entspannen, aber Sie können Ihre Umgebung während des Eingriffs trotzdem noch wahrnehmen und hören, was das Operationsteam sagt. Sie können sich sogar mit dem Operationsteam unterhalten. An der Inzisionsstelle wird ein Betäubungsmittel angewendet. Das lokale Betäubungsmittel hemmt zwar heftige Schmerzen, aber es kann dennoch sein, dass Sie beim Implantieren des  Systems einen gewissen Druck spüren.

 

Was geschieht während des Implantationseingriffs für den ICD?

Der Arzt setzt einen kleinen Schnitt in die obere Brust und sucht eine Vene. Dann wird ein kleiner Stich in die Vene vorgenommen, und die Elektroden werden durch die Vene hinunter ins Herz geführt. Die Elektroden sind lange, biegsame Drähte. Das Operationsteam überwacht den Weg der Elektroden mit einem großen Monitor, dem so genannten Fluoroskop. Das ist eine Art bewegliches Röntgenbild. Die Elektroden werden angelegt. Dies ist oft der zeitaufwändigste Teil der Operation.

 

Danach testet der Arzt die Elektroden, um sich zu versichern, dass sie sich in der besten Position befinden, um das Herz mit Energie zu versorgen. Wenn die Elektroden verlegt sind, schließt sie Ihr Arzt an das Implantat an. Danach macht der Arzt eine „Tasche“, indem er die Haut und das Gewebe darunter von dem Muskel unterhalb des Gewebes trennt. Der ICD wird an die Elektroden angeschlossen und anschließend in diese Tasche eingesetzt. Nachdem das System eingesetzt wurde, näht der Arzt den Schnitt wieder zu. Nachdem die Wunde verheilt ist, bleiben bei vielen Menschen nur eine kleine Narbe und eine kleine Erhebung zurück. Bei sehr kleinen oder sehr dünnen Menschen kann das System allerdings etwas stärker auftragen. Wenn Sie sich Sorgen darüber machen, wie das aussehen wird, besprechen Sie dies mit Ihrem Arzt. In einigen Fällen kann das System auch an einer anderen Stelle eingesetzt werden, wo es nicht so stark aufträgt.

 

Die Dauer des Eingriffs hängt davon ab, was für eine Art von Gerät Sie erhalten. Auch Ihre individuelle Anatomie spielt eine Rolle, und wie lange es dauert, bis der Implanteur eine gute Position für die Elektroden gefunden hat. Die Implantation eines ICD kann im Allgemeinen mehrere Stunden dauern.

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Was geschieht nach der Operation?

Direkt nach der Operation werden Sie in den Aufwachraum gebracht. Möglicherweise verspüren Sie eine Zeitlang einen leichten Druckschmerz an der Implantatstelle. Sie bleiben einige Stunden oder vielleicht sogar einige Tage im Krankenhaus. Sie sollten die Einzelheiten Ihres Falls mit Ihrem Arzt besprechen. Befolgen Sie in der Zeit nach der Operation genau alle Anweisungen Ihres Arztes.


Wie oft muss ich zu meinem Arzt in die Sprechstunde, nachdem das Gerät bei mir implantiert wurde?

Sie müssen Ihren Kardiologen oder Internisten regelmäßig zu Nachsorge aufsuchen. Sofort nach Ihrer Operation erhalten Sie vermutlich gleich mehrere Arzttermine. Diese Sprechstunden sind alle sehr wichtig, damit der Arzt prüfen kann, ob das Gerät richtig funktioniert. Manchmal sind geringere Anpassungen nötig. Diese können in der Arztpraxis schmerzlos mithilfe eines Tischcomputers, dem so genannten „Programmiergerät“, ausgeführt werden. Ihr Arzt untersucht auch Ihre Wunde und prüft, ob sie gut verheilt.

 

Danach müssen Sie Ihren Arzt zu regelmäßigen Nachsorge aufsuchen. Ihr Arzt wird Sie darüber beraten, in welchen Abständen diese Kontrollbesuche erfolgen sollten. Wenn alles stabil ist, genügt es vielleicht, wenn Sie ein oder zwei Mal im Jahr in die Sprechstunde gehen, oder nachdem Sie einen Elektroschock erhalten haben. Ihr Arzt bestellt Sie möglicherweise auch in die Sprechstunde, wenn Ihr Hausarzt Bedenken hat. Wenn bei einer Sprechstunde mehrere Veränderungen vorgenommen werden, möchte Ihr Arzt Sie vermutlich früher sehen, um zu prüfen, ob diese Veränderungen Wirkung zeigen, und um sicherzustellen, dass sie keine anderen Probleme verursachen.

 

Was geschieht bei einer Nachsorgeuntersuchung?

Die Nachsorge ist völlig schmerzlos und dauert in der Regel weniger als eine halbe Stunde. Während der Kontrolle legen der Arzt oder die Krankenschwester einen Programmierkopf über die Stelle, an der das System implantiert ist. Der Programmierkopf ist etwa so groß und so geformt wie eine Fernbedienung für einen Fernseher. Bei einigen Systemen wird kein Programmierkopf verwendet, sondern die Informationen werden über Funk gesendet. Das System sendet Daten über den Batteriezustand an das Programmiergerät, führt weitere Systemprüfungen aus und kann einen Bericht über Ihren Herzrhythmus seit der letzten Nachsorge ausgeben. Wenn Sie während dieser Zeit einen Elektroschock oder eine Therapie erhalten haben, erfasst das Programmiergerät diese Informationen ebenfalls.

 

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Der Arzt kann bei Bedarf auch bestimmte Einstellungen an Ihrem System verändern, um Ihre Therapie anzupassen. Aus diesen Gründen ist es sehr wichtig, dass Sie Ihre Nachsorgetermine beim Arzt genau einhalten.